Jón Sigurdsson hat mit seinen Verbündeten dafür gekämpft, daß Island die Selbstverwaltung für seine eigenen Angelegenheiten zugestanden wurde. Er hat die Dänen darauf aufmerksam gemacht, daß ihr König Kristjan der VIII im Jahre 1848 die Monarchie für Island abgeschafft hat und daß daher gemäß dem Alten Vertrag die früheren Isländischen Grundrechte in Kraft gesetzt werden müßen. Für die Anerkennung dieses Grundsatzes hat er unermüdlich gekämpft. Diese Botschaft sagte er den Menschen, gleichgültig ob es ihnen passte oder nicht, genauso wie ehemals der Apostel. Historische Argumente sind in den Freiheitskämpfen der Nationen nicht immer akzeptiert worden. Diese Tatsache galt in den alten Tagen und gilt noch heute. Aber wie haben die Dänen dieses Aufbegehren beantwortet? Sie Haben Den Isländern Das Grundgesetz Gewährt.
Es ist merkwürdig, daß die Dänen Jón Sigurdsson zugehört haben und im Jahre 1874, zum 1000. Jahrestag Islands, den Isländern ein begrenztes Grundgesetz für ihre eigenen Belangen gegeben haben. Einige Jahren später erlangte Island absolute innere Selbstverwaltung, die Isländer blieben aber trotzdem Untertanen des Königs von Dänemark. Man muß sich daran erinnern, daß um dieselbe Zeit andere Kolonialmächte sehr beschaftigt waren mit der militärishen Unterwerfung unschuldiger und friedfertiger Völker. Man kann zum Beispiel auf ihr Auftreten in Afrika verweisen das nicht anständig war. Aber der Freiheitskampf Islands unter der Leitung Jón Sigurdssons, ist ohne einen einzigen Flintenschuß geschehen und kein Mensch wurde umgebracht. Die Waffen dieses Kampfes waren nur geschichtliche und ethische Argumente.
Die Dänen Hatten Respekt Vor Jón Sigurdsson
In seinem Elternhaus hatte Jón Sigurdsson Fleiss, Genauigkeit und Sorgfalt gelernt. Diese Tugenden hat er sein ganzes Leben gepflegt. Als er nach Kopenhagen kam, feierte er gerne mit seinen Freunden und Bekannten. Er war der lustigste von allen. Aber er trennte immer Spaß und Pflichtbewußtsein. Seine Umgangsformen waren immer höflich und freundlich, egal ob es sich um seine Hoheit den dänische König oder um einen jungen isländischen Parlamentsdiener handelte. Diese Eigenschaften Jóns haben die Dänen sehr gemocht. Obwohl der Freiheitskampf eines Volkes kaum von einem einzelnen Menschen gewonnen wird, steht es fest, daß er bei manchen dänischen Mächtigen in hoher Gunst stand, und daß diese viel für ihn taten. Aber er hatte auch harte Gegner unter ihnen, die nicht stillschweigend dem zustimmen konnten, was er behauptete. Trotzdem gibt es in der Weltgeschichte vielleicht keine, oder zumindest wenige Beispiele für die Behandlungsart, welche die Dänen als Kolonialmacht gegenüber dem Jón Sigurdsson als Anführer des Freiheitskampfes ihrer Untertanen and den Tag gelegt haben.
Erwähnenswert ist auch, daß die Archive der dänischen Regierung zu seiner Verfügung standen. Aus ihnen hat er das Material für seinen Kampf geholt. Selbstverständlich wußten die Dänen, daß Jón Sigurdsson ein Gegner ihrer Regierung war. Trotzdem haben sie ihn freundlich aufgenommen und ihm eher als anderen Arbeit in seinem Fach gegeben, obwohl er niemals eine feste Stelle hatte. In der Regel konnten sie ihm Gehalt zahlen, obgleich die Staatskasse zuweilen beinahe leer war. Das Verhältnis zwischen Jón und den Dänen war ganz ungewöhnlich. Die Politiker, die heute Flinte und Schwert für die einflußreichsten Mittel in der Gemeinschaft der Nationen halten, wären gut beraten diese Geschichte zu studieren. Hier haben die Dänen ein leuchtendes Vorbild gezeigt.
Das Nationale Erbe Islands Zurückgegeben
Die Dänen waren auf die Isländer zornig, als diese am 17. Juni 1944, dem Geburtstag Jón Sigurdssons,die Republik ausriefen. Dieser Tag ist seitdem der Nationaltag Islands. Christian X, der König Dänemarks, hat den Isländern zu deren großer Freude, ein Glückwunschtelegramm geschickt. Das hat er getan obwohl er wußte, daß hierdurch die Isländer die Verbindung mit ihrem alten Mutterland abgebrochen hatten. Einige Jahre später haben die Dänen den Isländern ihre nationalen Kostbarkeiten, die Pergamenthandschriften, zurückgegeben. Die Isländer hatten schon wiederholt um ihre antiken Handschriften ersucht. Da die Dänen nicht verpflichtet waren diese Kostbarkeiten auszuliefern, hatten sich viele Persöhnlichkeiten, sowohl Dänen als auch Isländer, darum bemüht diese schwierige Angelegenheit zu erledigen. Die Übergabe war eine Weltneuheit; man stelle sich vor, die Engländer würden das British Museum öffnen um den Ägyptern ihre nationalen Kostbarkeiten, die dort aufbewahrt werden, zurückzugeben! Es war besonders drei dänische Politikern in Schlüsselstellungen der dänischen Regierung zu verdanken, daß die Rückgabe der Handschriften offiziell in den 70'ern über die Bühne ging. Ministerpräsident Viggo Kampmann, Kulturminister Jörgen Jörgensen, und Sozialminister Julius Bomholt gebührt die besondere Ehre und das Verdienst diese Leistung vollbracht zu haben. Das hervorragende Beispiel dieser Männer verdient in besonderem Masse, daß man ihm Achtung entgegenbringt. So manches gegenwärtige Staats- und Regierungsoberhaupt sollten diesem Vorbild nacheifern.
Man War Von Einem Solchen Aristokraten Tief Beeindruckt
Jón Sigurdsson war ein vornehmer Mann und geborene Führernatur. Das wußte er selbst, ohne daß er sich vor Stolz aufgeblasen hätte. Er fühlte sich seinen Mitarbeitern und Mitkämpfer ganz und gar gleichwertig. Er vertrat die Auffassung, Fesseln zu ertragen wäre eine Notwendigkeit für das (Über-) Leben einzelner Menschen und ganzer Nationen. Freiheit ohne Bande, ohne Begrenzungen, wäre keine Freiheit, sondern nur Zuchtlosigkeit und Anarchie. Außerdem vertrat er die Ansicht, daß es jedem Volke gut gehen sollte, wenn die Menschen die Vorteile ihres Landes schätzen und seine Möglichkeiten richtig zu nutzen lernen würden. Keiner darf diese Worte so verstehen, daß Jón Sigurdsson, dieser Führer der Isländer, fehlerfrei gewesen wäre. Das ist selbstverstandlich ausgeschlossen, obwohl sein Volk dazu neigte, ihn Anzubeten, wie man es oft bei Führungspersönlichkeiten beobachten kann. Ohne jeden Zweifel, war Jón Sigurdsson von Natur aus ein ungewöhnlich rechtlich denkender Mann, der sein Lebenswerk zu einem vollen Erfolg führen konnte. "Er war selbst ein Glückskind, und er war seinem Volk ein Wohltäter ", wie ein bekannter Isländer, Prof. Dr. Sigurdur Nordal gesagt hat - und womit er den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Jón Sigurdssons Zeitgenossen haben behauptet, daß sein persöhnlicher Charme, sein Aussehen und sein Benehmen, die Fußgänger auf den Straßen Kopenhagens veranlasst haben stehenzubleiben und einen Blick über die Schulter zu werfen auf diesen Mann, einen Aristokraten der Seele und des Charakters, der sie tief beeindruckte. Vielleicht haben die dänische Machthaber geahnt, bewußt oder unbewußt, daß eine Persöhnlichkeit von diesem Rang recht haben mußte?

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